Kind schält Kartoffeln mit Sparschäler

Wie Du picky eating durch gemeinsames Kochen reduzierst

„Mama, darf ich mithelfen?“ Auf dem Bild siehst Du meine jüngere Tochter, die fleißig Kartoffeln für das Abendessen schält. Sie nimmt sich dafür viel Zeit, ist hochkonzentriert und freut sich über jede Kartoffel, die sie fertig geschält hat. Die Kartoffelschalen sammeln sich auf der Arbeitsplatte und dem Fußboden. Nach kurzer Zeit sieht ihr Arbeitsplatz ziemlich wild aus.

Und ich muss ehrlich sagen: Es gab eine Zeit, in der mich die Frage „Mama, darf ich mithelfen?“, während ich abends am Kochen war, tierisch gestresst hat. Der Arbeitstag war geschafft, der Einkauf erledigt, die Waschmaschine lief, die Brotzeitboxen waren gespült – und jetzt musste ich nur noch fix das Abendessen zubereiten. Stress pur! Und dann kam diese Frage. Die Antwort war öfter mal: „Nein, ich möchte jetzt meine Ruhe haben.“

Diese Tage gibt es manchmal immer noch, machen wir uns nichts vor. Aber es gibt inzwischen auch sehr viele Tage, an denen ich das Kochen mit den Kindern richtig genieße.

Wie kam es dazu?

In meiner Weiterbildung zur Ernährungsberaterin für Kinder und Jugendliche habe ich gelernt, dass es enorm wichtig ist, Kinder in die Zubereitung von Mahlzeiten mit einzubeziehen: denn wir wollen ja, dass unsere Kinder eine große Bandbreite von Lebensmitteln kennenlernen und lernen, sich ausgewogen zu ernähren – und das funktioniert einfach am besten über die gemeinsame Zubereitung von Mahlzeiten. Dadurch, dass wir unseren Kindern beim Kochen Aufgaben übertragen, fördern wir ihre Selbstständigkeit und sie begreifen, dass ihre Rolle in der Familie eine ganz Wertvolle ist. Wir können in unseren Kindern das Interesse für nährstoffreiche Lebensmittel wecken - einfach, indem wir sie diese Lebensmittel zubereiten lassen. Ein Kind, das selbst hingebungsvoll Salat gezupft und gewaschen hat sowie das Dressing dazu angerührt hat und entschieden hat, welche Kerne über den Salat gestreut werden, wird diesen Salat höchstwahrscheinlich später auch probieren.

Das ist inzwischen auch wissenschaftlich gut belegt. Wardle und Kolleg:innen zeigten bereits 2003, dass sich die Vorliebe von Kindern für Gemüse nach acht Wiederholungen deutlich steigern lässt – von einem Mittelwert zwischen Mögen und Nicht-Mögen bis hin zu einem hohen Grad an Mögen. Wiederholte Exposition scheint also ein vielversprechender Weg zu sein, um die Vorliebe von Kindern für Gemüse zu verbessern. Es hilft, dem Kind immer wieder eine kleine Menge eines zuvor abgelehnten oder nicht gemochten Lebensmittels anzubieten – ohne den Fokus darauf zu legen, wie viel davon tatsächlich gegessen wird. Entscheidend ist, oft genug dranzubleiben und nicht zu früh aufzugeben, damit die wiederholte Exposition wirklich wirken kann.

Auch das aktive Einbeziehen von Kindern beim Kochen kann ihre Bereitschaft erhöhen, neue Lebensmittel zu probieren, und sie dazu ermutigen, Gerichte mit Gemüse auszuwählen.

In der Praxis zeigt sich zudem: Der wiederholte Kontakt mit einem Lebensmittel kann auch über Tätigkeiten wie Waschen, Schneiden, Kochen, im Topf Rühren oder das Anrichten auf dem Teller entstehen – ganz ohne, dass das Lebensmittel direkt in den Mund genommen werden muss. Diese Beobachtung beruht übrigens auf meine ganz persönlichen Erfahrungswerten.

Dadurch, dass wir unseren Kindern beim Kochen Aufgaben übertragen, fördern wir außerdem ihre Selbstständigkeit, und sie spüren, dass ihre Rolle in der Familie wertvoll ist.

Wenn ich abends einigermaßen entspannt bin, macht es mir inzwischen sogar Spaß, ca. 30 min früher als sonst mit dem Kochen anzufangen und eines oder beide Kinder mithelfen zu lassen. Dadurch, dass wir einfach bewusst wesentlich mehr Vorbereitungszeit einplanen, läuft das Kochen viel entspannter ab. Und ich selbst habe auch nicht das Gefühl, dass ich für das Kochen, Tischdecken usw. immer nur alleine verantwortlich bin.

Ich denke, es ist für uns Eltern einfach unheimlich wichtig, dass wir uns immer wieder bewusst machen, welche wertvollen Erfahrungen und Erlebnisse wir unseren Kindern mitgeben, indem wir sie mitkochen lassen. Wie wir sie ganz unkompliziert fördern, in ihrer Feinmotorik (Kartoffeln schälen), in ihren mathematischen Kompetenzen (1/2l Milch abmessen), in ihren sprachlichen Fähigkeiten (Rezept lesen) . Und nicht zuletzt: wie das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten auch unser soziales Miteinander fördert, wie es Spaß macht, in eine gemeinsame Aufgabe vertieft zu sein.

Was sind Deine Erfahrungen beim Kochen mit Kindern?

 

Quellen:
Wardle et al. (2003): wiederholte Exposition (8 Sitzungen) steigert die Vorliebe für Gemüse deutlich. Modifying children’s food preferences: The effects of exposure and reward on acceptance of an unfamiliar vegetable. Eur J Clin Nutr 57:341–8. https://doi.org/10.1038/sj.ejcn.1601541
Allirot et al. (2016): aktives Einbeziehen beim Kochen erhöht die Bereitschaft, neue Lebensmittel und Gemüsegerichte zu probieren. Involving children in cooking activities: A potential strategy for directing food choices toward novel foods containing vegetables. Appetite 103:275–285. https://doi.org/10.1016/j.appet.2016.04.031