Ünergewichtiges Kind Kleidung spannt
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Wenn die neue Kleidergröße auch nicht passt – Was hinter kindlichem Übergewicht steckt

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer, die Blätter bunter – und in vielen Familien steht wieder der Wechsel zur nächsten Kleidergröße an. Doch anstatt Freude über neue, kuschelige Pullis und schöne Hosen überkommt Dich Frust:
Egal, welche Kindergröße Du kaufst – nichts passt richtig. Alles ist eng, spannt am Bauch, und Dein Kind fühlt sich unwohl in den neuen Sachen.

Vielleicht hast Du schon alles wieder zurückgeschickt und suchst verzweifelt weiter nach Kleidung, die endlich gut sitzt. Gleichzeitig fragst Du Dich: Wie konnte das passieren? Wie kann ich meinem Kind jetzt helfen?

Du bist nicht allein. Viele Eltern erleben genau diese Situation und machen sich große Sorgen um das Gewicht ihres Kindes.

 

Kindliches Übergewicht – kein individuelles Versagen, sondern ein Zusammenspiel vieler Faktoren

In meiner Ernährungsberatung für Kinder und Jugendliche höre ich immer wieder, dass Eltern versuchen, „an der Ernährung zu schrauben“ – manchmal sogar, indem sie ihr Kind auf eine Diät setzen. Doch das ist nicht der richtige Weg.

Warum?
Weil Übergewicht im Kindesalter viele verschiedene Ursachen hat.

Nicht jedes Kind nimmt in unserer heutigen Lebenswelt stark zu, aber:

  • Genetische Faktoren („In unserer Familie sind alle kräftig“) werden häufig überschätzt.
  • Die Lebensumstände -  Ernährung, Bewegung, Schlaf und der Umgang mit Gefühlen – werden häufig unterschätzt.

Kinder lernen durch Beobachtung – sie übernehmen Gewohnheiten und Verhaltensweisen bezüglich Ernährung, Bewegung und Schlaf sowie den Umgang mit Gefühlen von ihren Eltern.

Die 4 Säulen in der Ernährungsberatung für Kinder und Jugendliche

In meiner Beratung schauen wir uns genau diese vier Bereiche an:

  1. Ernährung: Wie sieht der Alltag am Familientisch aus? Gibt es feste Strukturen, gemeinsame Mahlzeiten, abwechslungsreiche Auswahl?
  2. Bewegung: Wie viel körperliche Aktivität hat Dein Kind im Alltag – und macht Bewegung überhaupt Spaß?
  3. Schlaf: Kinder, die zu wenig oder unruhig schlafen, haben ein höheres Risiko für Übergewicht.
  4. Umgang mit Gefühlen: Essen wird häufig dazu genutzt, Stress, Langeweile oder Traurigkeit zu kompensieren– und das oft ganz unbewusst.

Wir analysieren diese Punkte Schritt für Schritt und entwickeln Mini-Steps, die in Euren Alltag passen. Kein Kind wird bei mir auf Diät gesetzt! Stattdessen optimieren wir viele kleine Stellschrauben, sodass das Gewicht wieder stagnieren bzw. sinken kann und sich mit dem natürlichen Längenwachstum des Kindes wieder ausgleicht.

Wenn „picky eating“ zur Herausforderung wird

Ein weiteres häufiges Thema in meinen Beratungen ist das sogenannte „picky eating“  – also sehr wählerisches Essverhalten aka: „Ich will monatelang nur Spätzle mit Soße essen und treibe damit mein gesamtes Umfeld in den Wahnsinn.“  Picky eating wird zum Problem, da Kinder nur eine sehr eingeschränkte Lebensmittelauswahl akzeptieren. Meistens schießen sie sich dabei auf sehr energiereiche Lebensmittel ein, z.B. Toastbrot, Spätzle, Pommes usw.  Das führt dazu, dass die Kinder oft stark zunehmen.

Daher ist es wichtig, auch hier gezielt anzusetzen, und das Kind aus diesem eingeschränkten Essverhalten zu begleiten.

 

Fazit: Liebevoll begleiten statt kontrollieren

Das Thema Übergewicht beim eigenen Kind ist emotional aufgeladen – viele Eltern machen sich Sorgen, fühlen sich hilflos oder schuldig. Doch wichtig ist: Du bist nicht schuld!
Unsere heutige Lebenswelt macht es Familien unglaublich schwer, gesunde Gewohnheiten beizubehalten. Und: Du kannst lernen, diese Muster zu durchbrechen – für Dich und Dein Kind.

Mit einer individuellen Ernährungsberatung für Kinder und Jugendliche lässt sich Schritt für Schritt herausfinden, wo genau Ihr ansetzen könnt – ohne Verbote, ohne Druck, aber mit viel Verständnis und alltagstauglichen Lösungen.

Denn: Jedes Kind verdient es, sich wohlzufühlen – im eigenen Körper und in seiner Kleidung.

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