Wenn Du im Urlaub merkst, wie wählerisch Dein Kind wirklich isst
© Amal - stock.adobe.com

Wenn Du im Urlaub merkst, wie wählerisch Dein Kind wirklich isst

Urlaub – das klingt nach Leichtigkeit, Ausschlafen und endlich weniger Alltagstempo. Und doch kann genau diese Zeit für Eltern von wählerisch essenden Kindern ganz schön herausfordernd werden. 

Denn während andere Familien vielleicht einfach spontan losziehen, beginnt bei vielen Eltern schon morgens das Nachdenken: Was wird mein Kind heute essen? Was, wenn es unterwegs nichts gibt, das geht? Was, wenn am Ende wieder nur ein trockenes Brötchen bleibt und alles andere abgelehnt wird?

Wenn im Urlaub dann auch noch die gewohnten Routinen wegfallen, kann sich das Essen mit einem picky eater plötzlich noch schwieriger anfühlen als sonst. Mahlzeiten verschieben sich, vertraute Lebensmittel aus Deutschland fehlen, es gibt insgesamt mehr Trubel. Und auf einmal sagt das Kind nur noch ständig: „Iih, bäh, das ess ich nicht!“

Viele Kinder, die beim Essen sehr vorsichtig sind, brauchen Sicherheit: bekannte Lebensmittel, vertraute Abläufe, den eigenen Essplatz. Wenn all das in den Ferien unplanbar wird, kann sich Essen für sie plötzlich unsicherer anfühlen. Dann halten sie sich oft noch viel mehr als sonst an Lebensmitteln fest, die sie gut kennen: Nudeln ohne Soße, trockenes Toastbrot, ein bestimmter Snack, und ja, genau der, in genau der bekannten Verpackung.

Gerade deshalb hilft es, wenn Eltern nicht noch mehr Druck aufbauen. Sie dürfen den Rahmen halten, ohne das Essen kontrollieren zu müssen. Eltern entscheiden, was angeboten wird und wann gegessen wird. Das Kind darf entscheiden, ob und wie viel es davon isst. Diese klare Aufteilung kann unglaublich entlastend sein.

Ein Kind zum Probieren oder Aufessen zu drängen, passiert oft aus Sorge, dass das Kind nicht gut mit Energie oder Nährstoffen versorgt ist. Und trotzdem macht Druck das Essen niemals leichter oder angenehm fürs Kind. Im Gegenteil, das Kind geht in eine Abwehrhaltung und verweigert sich noch stärker. Es verbindet die gemeinsame Mahlzeit mit Stress. Und unter Stress können keine neuen Lernerfahrungen entstehen. Entspannt bleiben heißt nicht, dass Mama oder Papa plötzlich alles egal ist. Es heißt: Ich begleite mein Kind ruhig, auch wenn ich innerlich gerade ausrasten könnte und gern eine schnelle Lösung hätte.

Was auch im Urlaub helfen kann:

1. Mini-Routinen schaffen:
Auch ein Ferientag darf kleine Anker haben. Vielleicht gibt es das Frühstück immer nach dem Anziehen, immer den gleichen Snack am Vormittag oder ein Abendessen, das möglichst vertraut abläuft.

2. Etwas Sicheres mit anbieten:
Biete zu ungewohnten Gerichten immer ein sicheres, bekanntes Lebensmittel an. Nicht als Extrawurst, sondern als Etwas, woran das Kind sich satt essen kann. Und wenn Dein Kind satt ist und sich wohl fühlt, kann auch Raum entstehen, wo es etwas Neues probieren kann.

3. Unterwegs bekannte Snacks:
Eine kleine Box mit vertrauten Snacks kann so viel Druck herausnehmen – für das Kind und für die Eltern.

4. Neugier ohne Druck:
Lade Dein Kind ein, neue Lebensmittel anzufassen, zu waschen, zu schnibbeln usw. Auch das ist ein erster kleiner Schritt zum Kontakt mit einem neuen Lebensmittel.

5. Du musst das nicht essen:
Ein ruhiges „Du musst das nicht essen“ kann eine Mahlzeit retten – Denn in guter Verbindung bleiben ist wichtiger als der eine Bissen Broccoli.

Eltern dürfen sich in den Ferien auch selbst entlasten: Nicht jede Mahlzeit muss perfekt ausgewogen sein und Dein Kind muss im Urlaub nicht ständig mutig Neues probieren. Manchmal ist der größte Fortschritt, wenn alle am Tisch ein bisschen weniger angespannt sind und Raum entsteht für eine fröhliche gemeinsame Mahlzeit.

Hilfreich ist der Blick auf ganze Wochen statt nur auf einzelne Mahlzeiten. Heute nur Brot und Obst? Morgen vielleicht Joghurt und Nudeln? Das ist okay. Kinder essen nicht in jeder Mahlzeit ausgewogen – und Erwachsene übrigens auch nicht. Entscheidend ist nicht der perfekte Teller, sondern ein verlässlicher, entspannter Rahmen.